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Alltags Tipps für Neustadt

Die größten Milch-Mythen- und was wirklich dran ist

Im Web gibt es zu fast jeder Art von Milch viele Meinungen, Mythen und (Halb-)Wahrheiten. In diesem Fakten-Dschungel hat kaum noch jemand einen Überblick. Wir haben uns einige dieser Mythen einmal genauer angeschaut. Gerne würden wir nun Entwarnung geben und sagen: Alles ist falsch, Milch ist gesund – oder im Gegenteil: pflanzlicher Milchersatz ist immer besser. Aber ganz so einfach ist es eben nicht – manchmal liegen die Mythen richtig, manchmal nicht.

Mythos #1: Milch macht krank

Angefangen bei Diabetes bis hin zu Krebs soll Milch an fast jeder (Zivilisations-) Krankheit Schuld sein. Der Gedanke dahinter ist der, dass sie von Mutter Natur grundsätzlich dafür gedacht ist, die Kälber groß und stark zu machen. Daher enthält sie Wachstumsfaktoren, die – so vermuten es Forscher – auch bei Menschen wirksam sein könnten. Die These besagt weiterhin, dass dadurch im menschlichen Körper gesundheitliche Folgen wie Akne, Arterienverkalkung, Diabetes, Übergewicht und weitere Probleme entstehen würden.

Diese Annahme wird zur Zeit in der Forschung untersucht, es liegen aber noch keine abschließenden Ergebnisse vor. Denn bisher konnte nicht die Milch allein für Übergewicht und daraus resultierende Folgeerkrankungen (wie Diabetes Typ 2, Arteriosklerose etc.) als alleiniger Verursacher isoliert werden. Zudem zeigen große Studien bisher keine konkreten Hinweise auf ihre Schädlichkeit.

Es bleibt also weiterhin umstritten, inwieweit Kuhmilch dem Menschen wirklich schadet oder nicht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt weiterhin ein Glas pro Tag, denn sie geht davon aus, dass ein gemäßigter Konsum von Milchprodukten keine gesundheitlichen Nachteile mit sich bringt. Es ist wie immer: nicht die Milch, sondern die Menge macht’s!

Foto: © Taylor Franz / Unsplash

Mythos #2: Milch macht Blähungen

Manche Menschen bekommen schwere Verdauungsbeschwerden, wenn sie Milch oder manche Milchprodukte verzehrt haben. Dann liegt meist eine Laktoseintoleranz vor.

Laktose ist ein sogenanntes Disaccharid und wird auch Milchzucker genannt. Sie kommt in der Milch und den daraus verarbeiteten Produkten in unterschiedlichen Konzentrationen vor. Frische Kuhmilch weist einen Laktosegehalt von ca. 5 g/100 ml auf. Bei der Verarbeitung von Kuhmilch gelangt die Laktose je nach Wassergehalt ganz oder teilweise in das erzeugte Produkt.

Bei Laktoseintoleranz liegt eine Störung der Laktoseverdauung vor, was zu mehr oder weniger stark ausgeprägten Beschwerden führen kann. Laktose selbst kann vom Körper im Darm nicht aufgenommen werden. Für die Aufnahme und Verwertung muss sie im Darm erst in ihre Einzelteile Glukose und Galaktose gespalten werden. Diese Spaltung wird durch ein Enzym erledigt, das von Zellen in der Schleimhaut des Dünndarms gebildet wird und Lactase heißt. Dieses Enzym fehlt bei Menschen, die an Laktoseunverträglichkeit leiden. Der Milchzucker kann dann nicht verdaut werden und es kommt unter anderem zu Blähungen.Insbesondere Asiaten und Afrikaner, deren Vorfahren keine Milchwirtschaft betrieben, vertragen keine Milch. In Europa hat die Milchviehhaltung lange Tradition. Im Laufe der Generationen hat sich der Körper an den lebenslangen Milchkonsum angepasst. In Deutschland leiden circa 20 Prozent der Bevölkerung unter Laktoseunverträglichkeit.

Es liegt also nicht an der Milch selbst, wenn es zum Blähbauch kommt, sondern am Milchzucker. Betroffene (und nur diese) können auf laktosefreie Produkte ausweichen oder Milchprodukte (wie zum Beispiel Käse) verwenden, bei denen der Milchzucker während des Reifeprozesses schon abgebaut wurde.

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Foto: © Laurent Hamels – Fotolia.com

Mythos #3: Milch macht schlank

Jedes Jahr liest man in einschlägigen Magazinen, dass Milchprodukte ideal seien, um eine Diät zur Reduktion von Körperfett zu begleiten. Milch und Milchprodukte, so heißt es regelmäßig in Illustrierten, die „Bikinifigur in zwei Wochen“ versprechen, seien ideale Lebensmittel für einen schlanken Körper.

Leider ist diese Aussage sehr vereinfacht – wie übrigens meist auch der Rest solcher Diätratgeber. Je nach Sorte oder Art des Milchproduktes handelt es sich nämlich um wahre Fettbomben, die bei einer Gewichtsreduktion eher kontraproduktiv statt unterstützend wirken.

Ein Glas Vollmilch (250ml) enthält mit knapp 10 Gramm Fett schon die Hälfte dessen, was eine komplette ausgewogene Mahlzeit an Gesamtfettgehalt enthalten sollte! Milch ist daher auch kein Getränk, sondern ein Nahrungsmittel und sollte grundsätzlich auch so konsumiert werden.

Wer mit Milchprodukten abnehmen möchte, sollte besonders auf den Fettgehalt achten. Ein Glas Magermilch hat beispielsweise über 80 Kalorien weniger als ein Glas Vollmilch (letzteres kann aber gesünder sein, siehe Milch-Ratgeber). Milch alleine macht übrigens nie schlank, auch nicht als Magermilch!

Mythos #4: Milch macht starke Knochen

Milch, so weiß mittlerweile fast jedes Kind, enthält Kalzium. Und Kalzium ist der Hauptbestandteil unserer Knochen. Also, so die weit verbreitete Schlussfolgerung, muss Milch auch gut sein für die Knochen und einen starken Knochenaufbau fördern.

Doch eine aktuelle Studie aus Schweden legt den Verdacht nahe, dass ein erhöhter Konsum sogar das Risiko von Osteoporose und Knochenbrüche steigere. Die Ergebnisse sind bis heute allerdings umstritten, da noch nicht ganz geklärt ist, warum der Konsum von Milch als Getränk das Knochenbruchrisiko erhöhte, der von fermentierten Milchprodukten (Joghurt, Quark, Käse etc.) jedoch nicht.

Sicher ist nur: Das Kalzium aus der Milch (und anderen Kalziumquellen) allein bringt dem Knochen gar nichts, denn es benötigt immer den „Einbauhelfer“ Vitamin D, ohne den Kalzium nicht in die Knochensubstanz eingelagert werden kann.

Vitamin D ist lebensnotwendig, kann aber vom Körper grundsätzlich selbst hergestellt werden. Dazu muss nur genug Sonnenlicht über die Haut auf den Körper wirken. Der heutige Lebensstil verhindert jedoch, dass wir täglich genug Sonnenlicht aufnehmen, zusätzlich verringert sich die Fähigkeit, Vitamin D3 aus Sonnenlicht zu synthetisieren, mit steigendem Lebensalter. Daher haben viele Erwachsene einen Vitamin D-Mangel – und ältere Menschen oft Osteoporose.

Milchkonsum hin oder her – ohne Sonnenlicht erhöht sich so oder so das Risiko für Knochenbrüche. Die Milch allein macht’s hier nicht!

Mythos #5: Von Milch kriegt man Pickel

Milch soll auch für Akne verantwortlich sein. Rein medizinisch gesehen entsteht Akne jedoch aus einem Zusammenspiel von einer übermäßigen Produktion von Hornzellen in den Talgdrüsen und dem Bakterium Propionibacterium acnes.

Weder die Hornzellen noch die Bakterien kommen aus der Kuhmilch. Es existiert jedoch eine Studie, bei der festgestellt wurde, dass Jugendliche mit hohem Milchkonsum an einer stärker ausgeprägten Akne litten als Jugendliche, die nur wenig Milch konsumierten. Daher nimmt man an, dass der Verzicht auf Milchprodukte den Verlauf einer Akneerkrankung abmildern könnte; die Entstehung von Akne kann aber auch ein gänzlicher Verzicht auf Milchprodukte nicht verhindern.

Generell enthalten aber alle tierischen Fette Arachidonsäure, einen Botenstoff, der im menschlichen Körper Entzündungen fördert. Es macht daher bei jeglichen Entzündungsreaktionen (nicht nur bei Akne) Sinn, auf tierische Fette zu verzichten. Dazu gehören auch fetthaltige Milchprodukte, Eier und Fleischwaren. Die Formel Milch = Pickel geht aber nicht auf.

Mythos #6: Milch verschleimt uns

Glaubt man manchen Müttern und Omas, so soll der Genuss von Milch dafür sorgen, dass „der Organismus verschleimt“. Insbesondere bei Husten und anderen Erkältungskrankheiten sowie Asthma sollen Betroffene auf Milch verzichten, da sie die Atemwege verschleime und zur Verschlimmerung der Symptome beitrage. Außerdem, so manch gut gemeinter Ratschlag, solle man keine Milch zu schwer verdaulichen Lebensmitteln trinken, da dadurch Schleim im Verdauungstrakt die Verdauung selbst beeinträchtigen würde.

Hier gilt jedoch komplette Entwarnung: in keiner einzigen Studie konnte festgestellt werden, dass der Konsum von Milchprodukten zu Schleimbildung führt. Weder im Bereich der Atemwege noch im Verdauungstrakt. Milch verschleimt uns nicht.

Übrigens: Heiße Milch (gerne auch pflanzlich) mit Honig lindert Halsschmerzen, da der Honig leicht antibakteriell und entzündungshemmend wirkt und die Heilung fördert.

Mythos #7: Milch macht groß und stark

„Trink deine Milch, damit du groß und stark wirst!“ – wer von uns hat das als Kind nicht zu hören bekommen? Aber hatten unsere Mütter Recht, wenn sie uns Milch gaben und dabei auf ein gutes Längenwachstum hofften?

Ausnahmsweise ist sich die Wissenschaft in diesem Punkt einig: Kinder, die während des Wachstums Milch konsumieren, haben ein höheres Längenwachstum als Kinder, die keine Milch bekommen. Besonders gut konnte dieser Effekt in Ländern festgestellt werden, in denen traditionell keine Milch verzehrt wird, beispielsweise in Asien. Seit dort der westliche Lebensstil und dessen Ernährung mit Käse und anderen Milchprodukten Einzug gehalten hat und man die Babys mit europäischem Milchpulver füttert, steigt das Längenwachstum an.Warum das so ist, das haben die Forscher allerdings nicht herausgefunden. Es könnte an den Wachstumsfaktoren der Milch liegen, die auch Kälber wachsen lassen. Sicher ist das aber nicht. Auch ein bestimmter Eiweißkomplex, der das Zellwachstum anregt, könnte dafür verantwortlich sein. Vielleicht sind es aber auch bestimmte Mineralstoffe, Peptide oder Aminosäuren der Milch? Das Milcheiweiß Kasein wird beispielsweise beim Bodybuilding gerne als Dopingmittel eingesetzt, weil es Muskeln schneller wachsen lässt. Ist es das? Oder die Kombination aus allen Milchbestandteilen? Das gilt es noch durch Forschung herauszufinden.

In diesem Punkt ist aber eins klar: die Milch macht’s!

Mythos #8: Milch macht Tabletten unwirksam

Wer sich die Mühe macht und den Beipackzettel seiner Medikamente bis zum Schluss liest, der wird sicherlich immer wieder auf folgenden Satz stoßen: „Nicht mit Milch einnehmen!“. Macht sie also Tabletten unwirksam? Oder handelt es sich bei diesen Warnhinweisen nur um „Panikmache“ mit statistisch höchst unwahrscheinlichen Nebenwirkungen eines Medikaments?

Eine einfache Antwort gibt es dazu nicht, denn es ist kompliziert. Grundsätzlich nämlich ist gar nicht die Milch selbst das Problem, sondern das darin enthaltene Kalzium. Verbinden sich Wirkstoffe des Arzneimittels mit dem Kalzium der Milch, kann der Wirkstoff vom Körper nicht mehr richtig aufgenommen werden.Bildlich vorstellen kann man sich das mit einer Bildung von kleinen Kalzium-Arzneimittel-Klumpen, die zwar winzig klein sind, jedoch zu groß, um durch die Darmwand zu schlüpfen und somit den Wirkstoff für den Körper zur Verfügung zu stellen. Diese kleinen Klümpchen sind nicht löslich, weswegen dann Kalzium und Wirkstoff wieder zusammen ausgeschieden werden. Die Arznei bekommt also gar keine Chance, zu wirken. Dieser Vorgang passiert bei vielen verschiedenen Wirkstoffen und Medikamenten. Relativ harmlos ist er beispielsweise bei Fluortabletten, die besonders Kinder zum besseren Wachstum ihrer Zähne verabreicht bekommen. Dasselbe gilt übrigens auch für fluoridhaltige Zahnpasta, die nicht mehr wirklich vor Karies schützen kann, wenn man danach ein Glas Milch trinkt.Besonders paradox ist dieser Vorgang auch bei Mitteln, die eigentlich bei Osteoporose helfen sollen. Und Milch, so denkt man gleich, kann ja durch das Kalzium nur gut bei Osteoporose sein. Leider ist genau diese Kombination von Milch und Osteoporose-Mittel das Problem: auch hier entstehen mit Milch Reaktionen, die die Wirkung solcher Medikamente deutlich abschwächen. Besonders gefährlich ist die Kombination von Milch und gewissen Antibiotika, denn wirkt ein Antibiotikum nicht richtig oder gar nicht, können mitunter tödliche Komplikationen entstehen.

Ist Milch also Teufelszeug für Medikamente? Ja und nein, denn das Problem liegt nicht in der Milch allein, sondern nur im darin enthaltenen Kalzium. Diese Probleme gibt es auch mit allen anderen Lebensmitteln, die viel Kalzium enthalten, etwa mit kalziumreichem Mineralwasser.

Solche Medikamente sollten daher am besten mit Leitungswasser und mindestens zwei, besser drei Stunden nach der letzten Mahlzeit eingenommen werden. Die Milch macht’s sonst unwirksam!

Mythos #9: Milch macht müde Männer munter

Woher kommt eigentlich diese Redewendung, die jeder kennt, aber keiner weiß, ob sie wahr ist? In den 1950er Jahren wurde Milch intensiv von der Milchwirtschaft gefördert. Überall eröffneten Milchbars und das weiße Gold wurde zum Inbegriff des Wirtschaftswunders. Der Werbeslogan „Milch macht müde Männer munter“ sollte den Konsum fördern und das Image dieses landwirtschaftlichen Produktes steigern.

Der sehr einprägsame Werbeslogan wurde von der Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) und später auch der EU in den folgenden Jahrzehnten immer wieder abgewandelt und verändert, jedoch immer mit dem Ziel, den Absatz damit zu fördern. Ebenso einprägsam ist der Nachfolger des „müde Männer“ Slogans aus den 80ern: „Die Milch macht’s!“, wobei die Frage offen blieb, was die Milch eigentlich so macht. Heute heißt der aktuelle Slogan übrigens „Milch ist meine Stärke“. Es wird wohl noch einige Jahrzehnte dauern, bis dieser Slogan genauso in den Köpfen der Deutschen verwurzelt ist, wie seine Vorgänger.

Aber macht nun Milch wirklich müde Männer munter?

Wie so oft in der Werbung ist nicht alles so, wie die Reklame es verspricht. Milch enthält unter anderem den Wirkstoff Tryptophan, der auf den Körper eine schlaffördernde Wirkung hat. Übrigens hat Kakaopulver ebenfalls einen recht hohen Gehalt an Tryptophan, weswegen ein heißer Kakao am Abend tatsächlich das Einschlafen fördern kann. Milch macht müde Männer demnach also alles andere als munter!

Mythos #10: Keine Milch ohne Tierquälerei

Auf der Milchtüte ist meist eine glückliche Kuh auf einer saftig grünen Weide abgebildet. Dass eine solche Tierhaltung natürlich nicht zu den Mengen Milch und Milchprodukte führen kann, wie wir das tagtäglich im Kühlregal sehen, sollte uns allen klar sein.

Deutschland liegt auf Platz 5 der Milchherstellung weltweit – mit traditioneller Haltung kann eine solche Platzierung auf dem Weltmarkt nichts mehr zu tun haben. Unsere konventionelle Milch kommt von Hochleistungskühen, die statt dem üblichen Grünfutter noch Zusatzfutter mit (Soja-) Eiweißen und Fetten gefüttert bekommen müssen, um genug Milch produzieren zu können. Das ist unnatürlich für die Kuh und kann bei ihr unter anderem zu Stoffwechselstörungen führen.Eine Kuh gibt auch nur dann Milch, wenn sie gekalbt hat. Deswegen werden Milchkühe regelmäßig besamt, um immer wieder neu zu kalben und immer weiter Milch geben zu können – sie ist also quasi „dauerschwanger“. Eine Hochleistungskuh kann so bis zu 10.000 Liter im Jahr produzieren. Entzündungen der Euter sind leider häufig. Damit sich die Kühe in der Massentierhaltung nicht gegenseitig verletzen, werden sie außerdem schmerzhaft enthornt.

Milchprodukte aus konventioneller Tierhaltung sind, wie viele andere Nahrungsmittel auch, mit Hormon- und Pestizidrückständen belastet. Das Ganze kann man mit Biomilch umgehen, denn zur Produktion von Biomilch wird kein unnatürliches Zusatzfutter verwendet, auch die Tierhaltung ist besser. Das natürlichere Futter schlägt sich in der Qualität nieder: In Biomilch sind wesentlich mehr der herzgesunden Omega3 Fettsäuren enthalten als in konventioneller. In Biomilch sind keine künstlichen Hormonrückstände und auch keine Pestizide enthalten, was auf die bessere Futterqualität zurückzuführen ist.

Aber auch „Bio-Kühe“ sind dauerschwanger und werden meist enthornt – eine Garantie für artgerechte Haltung gibt es also mit Biomilch nicht. Biomilch ist besser, aber nicht perfekt.

massentierhaltung

Milch aus Massentierhaltung (Foto: Colourbox.de)

Mythos #11: Pflanzlicher Ersatz ist besser als Milch

In letzter Zeit kommen immer mehr Alternativen zu tierischer Milch auf den Markt, denn immer mehr Verbraucher ernähren sich vegan oder suchen wegen Unverträglichkeiten nach Alternativen zur Kuhmilch. Doch die Gerüchteküche kocht auch mit pflanzlicher Milch und nicht immer ist klar, ob und wann pflanzliche Milchalternativen wirklich die bessere und gesündere Wahl sind.

Die Frage kann man so pauschal nicht beantworten, es kommt eben immer darauf an, was man damit erreichen möchte. Pflanzliche Milch ist nicht automatisch besser, manchmal ist sie sogar schlechter.
Mythos: Sojamilch macht impotent

Der Klassiker der Milch-Alternativen ist die Sojamilch, doch wie viel besser ist sie? Besonders Männer treibt die Sorge um, dass der Konsum von Sojamilch und anderen Sojaprodukten impotent machen könnte.

Hintergrund ist eine neue Studie aus Großbritannien, bei der eine Forscherin nachweisen konnte, dass die Zahl der Spermien bei Sojakonsum abnimmt. Richtig ist auch, dass Soja sogenannte Phytoöstrogene enthält, also eine Art pflanzliches weibliches Geschlechtshormon. Die Sorge der Männer: die Aufnahme solcher weiblichen Hormone durch den Verzehr von Sojaprodukten könne die Spermienproduktion so beeinflussen, dass Männer unfruchtbar werden.Fakt ist nämlich: In asiatischen Ländern, wo traditionell viel Sojaprodukte konsumiert werden, leiden die Frauen signifikant weniger unter Wechseljahrsbeschwerden als in Ländern, in denen kein oder wenig Soja auf den Tisch kommt. Fakt ist aber auch: obwohl asiatische Männer regelmäßig große Mengen Sojaprodukte verzehren, haben sie keine Probleme mit Unfruchtbarkeit.

Warum es bei der britischen Studie zu einem so gegensätzlichen Ergebnis kam ist bis jetzt nicht geklärt und wird Gegenstand weiterer Forschungen sein müssen. Bisher konnten weltweite Studien nämlich vorwiegend positive Auswirkungen von Sojaprodukten auf die Gesundheit feststellen.

Fazit: die Milch macht’s – manchmal

Bei so viel Pro und Contra ist immer noch nicht klar, welche Milch nun wirklich die beste ist – sofern es ein Ideal überhaupt gibt. Welche solle man nun kaufen, welche im Regal stehen lassen?

Wer nachhaltig lebt, wem Klimaschutz, Tierwohl und Umweltschutz wichtig ist, entscheidet sich für pflanzliche Milch, denn sie ist grundsätzlich das ökologisch „rundere“ Produkt.
Entscheidest du dich für pflanzliche Milch, wähle grundsätzlich ungesüßte Varianten in Bioqualität. Achte darauf, dass das dafür verwendete Soja oder Getreide aus europäischem oder gar deutschem Anbau stammen. So stellst du sicher, weder Zuckerwasser noch genveränderte Produkte zu konsumieren und hältst auch den CO2-Fußabdruck relativ klein. Wer sich für pflanzliche Milch entscheidet, leistet somit auch einem Beitrag zum Klimaschutz.
Wenn du dich für tierische Milch entscheidest, dann kaufe Biomilch – möglichst von regionalen Anbietern. So stellst du sicher, mit dem Kauf deiner Milch keine Gentechnik zu unterstützen, hältst den CO2-Abdruck deiner Milch gering und weißt, dass die Milchkühe unter besseren Lebensbedingungen gehalten werden. Letztendlich behalte jedoch im Hinterkopf: je weniger Viehhaltung – auch für Milch – desto besser fürs Klima.

 

(GCN)

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