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Alltags Tipps für Neustadt

Marktcheck: Kostenfalle Girokonto

Kostenlose Girokonten gibt es meist nur noch für bestimmte Zielgruppen. Niedersächsische Kreditinstitute verlangen bis zu 12,95 Prozent Dispozinsen, bis zu 17,95 Prozent für die geduldete Überziehung und bis zu 25 Euro monatlich für die Kontoführung.

Günstiger Dispo für teure Kontoführung
Die Preisspanne beim Dispozins liegt derzeit für die niedersächsischen Verbraucher zwischen 0,00 Prozent bei der Deutschen Skatbank und 12,95 Prozent bei der Raiffeisen- Volksbank Aurich. Spitzenreiter bei der geduldeten Überziehung ist erneut die Raiffeisen- Volksbank Aurich. Sie berechnet seit mehr als zwei Jahren unverändert bis zu 17,95 Prozent. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen überprüfte im August 2016 online die Konditionen verschiedener Kreditinstitute in zwölf niedersächsischen Städten. Ausgewertet wurden auch die Konditionen von überregionalen Anbietern. Das Ergebnis bestätigt einen weiteren Trend: „Zunehmend werden von den Banken und Sparkassen unterschiedliche Kontomodelle angeboten. Dabei wird oft das teuerste Girokonto mit einem günstigeren Dispozins ausgestattet“, sagt Andreas Gernt, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

Kostenfalle Premium-Konten: Monatliche Kontoführungsgebühren bis zu 25 Euro
Für das Girokonto „Komfort Plus“ von der Raiffeisen-Volksbank Aurich werden beispielsweise monatlich 12,90 Euro Kontoführungsgebühren verlangt. Bei diesem Kontomodell beträgt der Dispozins statt 12,95 Prozent nur 5,79 Prozent. Das teuerste Girokonto wurde bei der Sparkasse Osnabrück gefunden: Für das „GiroLive Exklusiv“-Kontomodell wird ein monatlicher Paketpreis von 25 Euro verlangt, wobei der Dispozins nur 5,90 Prozent beträgt. Die Höhe der monatlichen Kontoführungsgebühr ist aber kein Garant für eine Kostenersparnis durch einen niedrigeren oder vergünstigten Dispozins“, warnt Andreas Gernt. „Wer bei seinem Girokonto häufig den eingeräumten Dispokredit nutzt, sollte sich nicht von vergünstigten Dispozinsen blenden lassen. Denn die hohen Kontoführungsgebühren bei Premium-Konten sind auch bei häufiger Dispo-Nutzung von Nachteil“, sagt Gernt.

Verschleierte Zinssätze
Zu beanstanden sind weiter die von einzelnen Kreditinstituten intransparenten Zinssätze. Die Deutsche Bank benennt beispielsweise für den Dispozins nur eine Preisspanne von 7,90 Prozent bis 10,90 Prozent. Oder die Volksbank Braunschweig Wolfsburg, die nur den Hinweis auf den „3-Monats Euribor + 9,78% p.a.“ gibt, ohne ihren Kunden diesen Referenzzins näher zu erläutern und zu beziffern.

Diskriminierende Preisgestaltung
Viele Banken und Sparkassen bieten nur noch bestimmten Zielgruppen kostenlose oder vergünstigte Girokonten an. Aber kostenlos bedeutet eben nicht immer kostenlos: Bei der Commerzbank ist das „kostenlose“ Girokonto „nur bei privater Nutzung, ab mind. 1.000 € monatlichen Geldeingang, sonst 9,90 € je Monat und beleglose Kontoführung, sonst 1,50 € je Inlands-/SEPA-Überweisung“ tatsächlich kostenlos. Auch die Bezeichnung „Giro4Free“ bei der Santander Bank bedeutet nicht, dass dieses Konto immer kostenlos ist, wobei mittlerweile bei vielen Kreditinstituten die Höhe des unterschiedlich definierten monatlichen Geldeinganges die entscheidende Rolle spielt. „Während Bezieher höherer Einkommen von kostenlosen Kontomodellen profitieren können, werden einkommensschwache Personen leider mit Kontoführungsgebühren bestraft“, resümiert der Finanzexperte Gernt.

Geldinstitute kreieren neue Gebührenmodelle
Als weitere Kostenfaktoren beim Girokonto spielen zunehmend die Gebühren für beleghafte Überweisungen eine wichtige Rolle. Dafür und auch für Ein- und Auszahlungen sowie Bargeldtausch an der Kasse können schon mal bis zu 3,50 Euro anfallen. Einzelne Kreditinstitute sind inzwischen dazu übergegangen, für die in den vergangenen Jahren noch kostenlos abgegebenen Bank- oder SparkassenCards Gebühren von bis zu 12 Euro pro Jahr (Sparda-Bank Hannover) zu berechnen. Anders die Situation bei den Kreditkarten: Je höher die monatliche Kontoführungsgebühr ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass zusätzlich zu einer kostenlosen Bank- oder SparkassenCard auch eine Kreditkarte Standard, manchmal aber auch eine Kreditkarte Gold bei entsprechender Bonität zum Konto inklusive ist. Noch gibt es echte kostenlose Girokonten, die jeder Privatkunde nutzen kann – oft aber nur noch online. Die Verbraucherzentrale geht davon aus, dass viele Kreditinstitute weiter an der Gebührenschraube drehen werden. „Ein Anbieterwechsel sollte dann ins Auge gefasst werden“, rät Gernt.

Neu: Kontenwechselhilfe ab 18.09.2016
Verbraucher, die von ihrer Hausbank oder Sparkasse mit neuen Kontomodellen und Preisänderungen konfrontiert werden, haben grundsätzlich die Möglichkeit, den Anbieter oder auch nur das Kontomodell zu wechseln. Wer den „richtigen“ Anbieter gefunden hat, kann nunmehr auch ab dem 18. September die gesetzlich neu festgelegte Kontenwechselhilfe nutzen. Alle Kreditinstitute sind jetzt zur Gewährung von Kontenwechselhilfe verpflichtet und die neue Bank oder Sparkasse hält für wechselwillige Verbraucher ein entsprechendes Formular zur gewünschten Beauftragung bereit. Ein Kontowechsel soll innerhalb von etwa zwei Wochen erfolgen können und auch die alte Bank oder Sparkasse ist als „übertragender Zahlungsdienstleister“ zur aktiven, aber unentgeltlichen Mitwirkung verpflichtet. Der Marktcheck der Verbraucherzentrale zu Dispozinsen und Kontoführungsgebühren bei Privatgirokonten in Niedersachsen kann unter www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/dispo-kontofuehrungsgebuehr abgerufen werden.

 

(GCN)

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