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Dirk Reineke (von links) und Jörg Homeier besichtigen gemeinsam mit den Landwirten Heinz-Günter Rabe und Cord Wegener-Rabe einen vermessenen Wegrain in der Gemarkung Nöpke. | Foto: Stadt Neustadt am Rübenberge
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Schutz der Wegraine kann nur gemeinsam gelingen

Neustadt – Um den Schutz nachhaltig und fortlaufend zu verbessern, wollen Stadtverwaltung und Landvolk des Neustädter Landes künftig noch enger zusammenarbeiten.

Hoch wachsende Grashalme, bunte Wildblumen und kleinere Sträucher zwischen Ackerfläche und Wirtschaftsweg leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt, unter anderem dienen die öffentlichen Wegraine als Rückzugsort für Insekten und andere Tiere. Der Schutz dieser Flächen ist daher eine wichtige Aufgabe, die von der Stadt Neustadt am Rübenberge sehr ernst genommen wird.
Um den Schutz nachhaltig und fortlaufend zu verbessern, wollen Stadtverwaltung und Landvolk des Neustädter Landes künftig noch enger zusammenarbeiten. Das haben Vertreter der Verwaltung und der Neustädter Landwirte am heutigen Donnerstag bei einem gemeinsamen Ortstermin in Nöpke deutlich gemacht.  „Uns ist an einem guten Miteinander gelegen. Wir wollen die Landwirte für das Thema sensibilisieren, effizienter Schutz öffentlicher Wegraine kann nur gemeinsam gelingen“, sagt Jörg Homeier, Fachbereichsleiter Infrastruktur bei der Stadt Neustadt. Allgemein gilt: Wenn der Verdacht besteht, dass ein Landwirt – aus welchen Gründen auch immer – einen öffentlichen Wegeseitenrand überpflügt hat, geht die Stadtverwaltung diesem Verdacht nach und sucht zunächst das Gespräch mit dem Grundstückeigentümer beziehungsweise dem Pächter. Diese Vorgehensweise ist auch mit der unteren Naturschutzbehörde der Region Hannover so abgesprochen.

Zuletzt waren in der Öffentlichkeit vermehrt Verdachtsfälle geäußert worden, wonach sich einige Neustädter Landwirte nicht an geltende Grenzen halten sollen und stattdessen Teile der an ihre Felder angrenzenden Wegeseitenränder überpflügen sollen. Jörg Homeier sagt dazu: „Es darf nicht sein, dass eine Berufsgruppe unter Generalverdacht gestellt wird. Polarisierung ist weder hilfreich noch zielführend.“

Fest steht: Eine zuverlässige und rechtlich verbindliche Aussage zum tatsächlichen Grenzverlauf kann nur durch eine amtliche Grenzfeststellung getroffen werden. Die genaue Größe von Grundstücken und Ackerflächen dürfen in Niedersachsen ausschließlich die Katasterämter oder öffentlich bestellte Vermessungsingenieure bestimmen.

Das allgemeine Problem bei der genauen Bestimmung der Grenzverläufe ist, dass das Neustädter Land letztmalig vor rund 150 Jahren komplett vermessen wurde. Das vom Katasteramt zur Verfügung gestellte Kartenmaterial stammt größtenteils aus den Jahren zwischen 1840 und 1860 und wurde in den 1990er-Jahren ohne Überprüfung und oft auch ungenau nachdigitalisiert. „Es reicht nicht, heutige Luftbilder und die alten Kataster übereinanderzulegen. Die Ergebnisse sind viel zu ungenau“, erläutert Homeier.

So hat die Verwaltung jetzt exemplarisch eine vermessungstechnische Prüfung in der Gemarkung Nöpke beauftragt, da in diesem Bereich Überpflügungen vermutet wurden. Weitere Prüfungen in den Gemarkungen Mardorf und Schneeren sollen folgen. Das Ergebnis aus Nöpke liegt bereits vor: Die am Dickenhoopsweg liegenden Wegraine zwischen Feldern und Wirtschaftsweg sind nicht von den Landwirten überpflügt worden.

Das Ergebnis verdeutlicht zwei grundlegende Tatsachen: Zum einen, dass eine exakte Vermessung durch qualifiziertes Personal immer zwingend erforderlich ist, um genaue Grundstücksgrenzen zu ermitteln. Zum anderen, dass voreilige Schnellschüsse absolut unnötig sind und ein Generalverdacht gegenüber Landwirten nicht gerechtfertigt ist.

NCN

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